Schönes Namibia (Teil II)
Unser nächstes Ziel war der versteinerten Wald (Petrified Forest). Den kurzen Rundgang fanden wir faszinierend.
Faszinierend, weil wir auf den ersten Blick gar nicht sahen, dass das Holz versteinert war.
Erst beim Anfassen spürten wir, dass es tatsächlich Stein und nicht
Holz war. Da lagen meterlange Stücke von Baumstämmen herum und war wir
waren sehr erstaunt, dass diese exponierten Stücke, so gut erhalten
geblieben waren – ca. 260 Mio. Jahre alt.
Am Nachmittag besuchten wir Twyfelfontein, wo wir Felsen-Galerien mit eingravierten Bildern der San besichtigten.
Die Nacht verbrachten wir bei Spitzkoppe, bekannt auch als Matterhorn
of Africa. Ein wunderbarer Platz zum Übernachten. Es gibt auch dort
Felsenzeichnungen von den San zu sehen, diese dürfen aber leider nicht
mehr ohne Führer besucht werden. Die Führer waren viel zu teuer und
daher verzichteten wir auf einen Besuch und fuhren am nächsten Tag nach
Swakopmund, wo wir einige Tage blieben um zu Waschen, Einzukaufen, Fotos
selektionieren, usw. Waren die Temperaturen bis jetzt in ganz Namibia
sehr heiss, viel das Thermometer in Swakopmund auf ca. 20 Grad, was für
uns, nach der gewohnten Hitze, eigentlich zu kalt war.
In Cape Cross, nahe von Swakopmund, liegt die bekannte Brutstätte von
tausenden Seehunden. Ende November, anfangs Dezember werden die jungen
Seehunde geboren, genau zu unserer Zeit, als wir da waren. Mit einer
unglaublich romantischen Vorstellung bin ich nach Cape Cross gegangen
und freute mich so sehr, diese Winzlinge zu sehen. Der Besuch entsprach
nicht im Geringsten meinen schönen Vorstellungen und den ersten Schock
bekam ich schon bei der Einfahrt zum Parkplatz. Dort krabbelten bereits
verlorene oder verstossene Seehundebabies einsam im heissen Sand herum,
zu weit von der Seehundekolonie entfernt, um dahin zurück zu finden.
Bereits dieser erste Anblick schnürte mir die Kehle zu. Vor uns lag nun
die wilde Küste mit tausenden Seehunden auf dem Strand oder auch im
Wasser. An den Seehunden vorbei führte ein langer Holzsteg, wovon man
die Tiere gut beobachten konnte. Der Gestank war überwältigend, das
Gebrüll der Seehunde laut und die Atmosphäre unter den Seehunden war
gespannt sowie aggressiv.
Überall krabbelten kleine schwarze Körper, die nach ihren Mamis
riefen, Mamis kämpften ihren Weg zu ihren Babies frei. Es war mir
unverständlich wie sich Mami und Baby in diesem Gewühl von Körpern
überhaupt finden konnten. Die grossen Seehunde waren mit fremden Babies
gar nicht zimperlich und manchmal konnten wir beobachten, wie ein
kleines Tier von einem grossen Seehund durch die Luft geworfen wurde.
Zwischen den Seehunden lagen immer wieder kleine tote Babies. Ich kann
kaum beschreiben, was für Gefühle in mir ausgelöst wurden. Es war
abstossend, schrecklich und zugleich auch faszinierend. Irgendwann kam
eine Frau mit einem Seehundebaby im Arm über den Holzsteg angerannt.
Wahrscheinlich hatte dieses Kleine irgendwie den Weg auf den Steg
gefunden und diese Frau versuchte es zu retten. Ihr Rettungsversuch war
schwierig, denn sie rutschte auf dem Holzsteg aus und sie fiel hart, mit
dem Seehund im Arm, auf den Boden. Ob die Seehundemutter ihr Baby an
einem anderen Ort wieder finden würde? Ich weiss es nicht, aber die
Verzweiflungstat dieser Frau konnte ich gut nachvollziehen. Die Natur
ist grausam und dieser Ort hat es uns wieder einmal sehr nahe gebracht.
Eine von unseren letzten Destinationen in Namibia war Lüderitz. Nahe
zu Lüderitz leben die wilden Wüstenpferde. Diese Pferde haben sich so
angepasst, dass sie in dieser kargen Vegetation überleben können.
Sie benötigen nur alle drei Tage Wasser! Jeden Tag kommen duzende
Wildpferde zur Wasserstelle zum Trinken. Es gibt eine Überzahl von
Hengsten und dadurch ist die Stimmung an der Wasserstelle sehr gereizt.
Die Tiere tänzeln nervös herum und immer wieder brechen Kämpfe zwischen
den Hengsten aus. Dadurch lahmen viele von den Wildpferden. Die
Überlebenschance von diesen verletzten Tieren scheint uns gering, da
einige Gefahren auf sie lauern, wie bspw. braune Hyänen und Leoparden.
Viele von den Pferden sind unglaublich graziös und schön, andere
dagegen, sind durch das harsche Leben in der Wüste gezeichnet. Bei den
Hengsten ist das Fell oft von vielen Narben gezeichnet.
Bei Mata Mata verliessen wir Namibia und traten somit in den Kgalagadi Transfrontier NP ein, wo wir die letzte Chance hatten, Löwen mit schwarzer Mähne zu entdecken!
Dezember 2009