Melbourne bis Tasmanien


Jupiiiiii, endlich sehen wir “little Penguins”

Als wir nach einigen Tagen in Melbourne ankamen, suchten wir den Spezialisten für Henk auf. Der Spezialist untersuchte seinen kranken Zahn und kam zum selben Schluss wie unser Zahnarzt zu hause: der Zahn muss raus, denn die Wurzel kann
nicht mehr neu behandelt werden, dies am liebsten, aber erst wieder in der Schweiz durch unseren Zahnarzt. Für einen erneuten Notfall wurden wir mit den nötigen Medikamenten ausgerüstet, was uns hinsichtlich Afrika sehr beruhigt und daher ist der Zahn noch an seinem alten Platz. Nach einigen wunderschönen Tagen in Melbourne sowie einigen nötigen Einkäufen, fuhren wir mit der Fähre nach Tasmanien. Mit wunderschön meine ich die Stadt und nicht das Wetter. Das Wetter war bis Melbourne bedeckt, teilweise regnerisch oder sehr regenreich und noch immer viel zu kühl.

Tasmanien erreichten wir morgens früh und konnten von der Fähre aus den Sonnenaufgang beobachten. Wie schön, anstatt den gewohnten und auch erwarteten kühlen Temperaturen, wurden wir in den ersten Tagen mit schönem und warmem Wetter empfangen.

Am ersten Tag fuhren wir nach Stanley, was direkt am Meer liegt. Im Informationscenter sahen wir, dass in Stanley abends “little Penguins” beobachtet werden können. So campierten  wir diese Nacht in Stanley auf einem Campingplatz, damit wir die Pinguine sehen können, ohne dass wir das Auto brauchen. Zudem freuten wir uns auf eine schöne warme Dusche. Für mich gab’s da kein Halten mehr. Um 20.00 waren wir viel zu früh bereit und brachen warm eingepackt zum Friedhof auf, da dort die “little Penguins” nisten. Unterhalb des Friedhofs angekommen, diskutierten wir, ob wir wohl am richtigen Ort warteten. Henk meinte, wir sollten einen Kilometer weiter gehen, wo wir ein Warnschild an der Strasse mit dem Signet für die kleinen Pinguine sahen. Ich blieb stur und so liefen wir weiter den Friedhof entlang. Nach 100m war der Weg abgesperrt, da dort gemäss einer Informationstafel die Brutstätte der kleinen Pinguine war. Die Informationstafel lehrte uns, dass Brutzeit war, so cool! So warteten wir und warteten wir und warteten wir, bis wir nach der Eindämmerung die ersten Chicks im Gebüsch rufen hörten. Nach etwa 1,5 h warten, lief eine geführte Tour an uns vorbei, der Ranger öffnete das verschlossene Tor und da liefen sie, ohne uns, in die Brutzone hinein. Nach etwa einer weiteren halben Stunde kam die Gruppe zurück und ich meinte zu Henk, das kann’s doch nicht gewesen sein! Ich mein, wir standen da im Stockdunkeln, gefroren wie Fischstäbli, hatten noch keinen einzigen der kleinen Pinguin gesehen und die geführte Gruppe kam schon zurück! Die Gruppe stand nun vor dem Gitterzaun und da konnten wir im lichten roten Lampenschein des Rangers unseren ersten kleinen Pinguin sehen. Hey, ich mein wirklich klein, diese Pinguine sind bestenfalls 30 cm gross. Die geführte Gruppe kam dann auf unsere Seite des Zauns und der Ranger hatte erbarmen mit uns. Er zeigte uns ein paar weitere kleine Pinguine und wir konnten sogar Chicks vor ihren Bauten sehen, die auf Mami sowie Papi mit der erwarteten Mahlzeit laut rufend warteten. Durchgefroren, aber zufrieden, liefen wir zum Camping zurück. Im Bett brauchten wir einige Zeit, bis wir wieder warm waren und schliefen dann happy ein. Übrigens wir hatten unsere Taschenlampen dabei, man sollte aber nur Taschenlampen mit rotem Licht benutzen, damit die Augen der Nachtiere keinen Schaden nehmen. Am nächsten Tag bestiegen wir noch den “Nut” und konnten von dort eine herrliche Aussicht geniessen. Am Ende unseres Walks auf dem Nut, begegneten wir Claudia und Andreas, vom orangen Mercedes-Bus, die wir bereits am Hafen im Melbourne trafen. Mit ihnen zusammen liefen wir dann zu unseren Autos zurück.

Es war Zeit, unsere Rückfahrt mit der Fähre von Tasmanien nach Melbourne zu buchen und dies taten wir in Scottsdale. Im Informationscenter konnten sie uns nicht helfen und verwiesen uns ans örtliche Reisebüro. Die Dame, die dafür zuständig war, war gerade kurz zur Bank unterwegs, sollte aber bald zurück sein. Der Inhaber des Reisebüros unterhielt uns so lange mit kurzweiligen Geschichten sowie Erlebnissen, sodass die Zeit dabei wie im Flug verging. Er erzählte uns von den “little Pinguins” in Bicheno, von den Tasmanien Devils und die man nachts beobachten kann und vieles mehr. Die tasmanischen Teufel können nachts sehr laut schreien und ich fragte ihn, ob er denn dies für mich nachmachen könnte. Meine Bitte erstaunte ihn schon sehr, er kannte mich halt nicht, aber leider wollte er es nicht tun. Nach über einer Stunde war die gewünschte Dame noch immer nicht da und er musste sie anrufen, damit sie zurückkam. Damit war klar, wir wollten nach Bicheno, damit wir die “little Pinguins” noch einmal erleben konnten.

Bicheno erreichten wir einige Tage später. Der Mann vom Reisebüro riet uns die Pinguine beim Blow-Hole anzuschauen, die Dame vom Camping wiederum zeigte uns auf der Karte ein anderes Gebiet. Tja, immer diese Entscheidungen. Dieses Mal setzte sich Henk durch und wir gingen zum Platz, der uns die Dame vom Camping empfohlen hat. Als wir dort ankamen, merkten wir schnell, wir waren ja jetzt schon erfahren, dass wir am richtigen Platz waren. Wir konnten es riechen und sehen. Der Fusspfad war mit weissem Kot gesprenkelt. Wir warteten dort auf dem Rasen. Als es eindunkelte konnten wir die Kücken hören und sahen die ersten vor ihren Bauten warten. Als es ziemlich dunkel war, kamen die erwachsenen Pinguine aus dem Wasser und liefen über den Fusspfad direkt zu ihren Bauten. Eine kleine Gruppe von drei Pinguinen wollte neben uns vorbei laufen. Kurz bevor sie uns erreichten blieben die drei stehen. Die Pinguine sowie wie wir, verharrten ganz starr. Die Pinguine wussten genau, dass wir dort standen und liefen nicht mehr weiter. Nach ein paar Minuten hatten wir erbarmen mit den Tieren und zogen uns leise nach hinten zurück. Auf dem Rückweg zum Camping sahen wir noch viele mehr und wir versuchten einen weiten Bogen um sie zu tun, damit wir sie nicht erschreckten. Ein Possum lief uns auch über den Weg.

Eines unserer Hauptziele in Tasmanien war Bruny-Island. Um nach Bruny-Island zu kommen, mussten wir die Fähre nehmen. Wir entschieden uns den ersten Gratiscamp zu nehmen, der nahe bei einer “Penguin-Rookery” lag. Der Camping war zum Bersten voll, wir konnten glücklicherweise trotzdem noch einen guten Platz zum Stehen finden. Die Schulferien begannen kurz vor Weihnachten und gehen bis Ende Januar. Während dieser Zeit sind viele Plätze ausgebucht oder mindestens bumsvoll. Irgendwie ist es anders, wenn es so viele Leute hat. Ich weiss nicht, ob dann Leute teilweise Hemmungen verlieren oder ob es einfach ist, weil die Reisenden viel mehr durchmischt sind, d.h. es sind nicht mehr nur graue Nomaden und Touris unterwegs. Leider sahen wir wie Abfall im Gebüsch entsorgt oder bspw. Flaschen und Büchsen in  Feuerstellen geworfen wurden. Teilweise wurden die Feuerstellen vor der Abfahrt nicht gelöscht, sondern brannten mit  Holzblöcken drin einfach weiter. Es gab eine lautstarke Familienkriese und in einer Nacht wurden acht kleine Pinguine vorsätzlich überfahren. Diese Erlebnisse waren schon sehr aussergewöhnlich. In der zweiten Nacht entscheiden wir uns, die “Penguin-Rookery” zu besuchen und wurden dabei von Julie und Kai, einem tollen Paar aus Deutschland, begleitet, welches wir auf dem Campingplatz kennen lernten. Dieses eine Mal die Pinguine zu sehen, war das schönste Mal von allen. Die ganze Beobachtung wurde durch eine Rangerin begleitet, damit die “little Penguins” mit den Kücken nicht unnötig gestört werden, zudem stellte sie für die Beobachtung Ferngläser, Taschenlampen und rotes Papier für die Taschenlampen zur Verfügung, damit der Abend für alle ein voller Erfolg wird. Sie gab viel von ihrem Wissen über die Pinguine weiter und so lernten wir, dass die Pinguine in Gruppen von 20-25 Tieren aus dem Wasser kommen und erst wenn diese sicher über den Strand gekommen sind, kommt die nächste Gruppe. Zudem ist Mami- und Papi-Pinguin nie in derselben Gruppe, damit die Überlebenschance der Chicks gewährleistet ist. Zum ersten Mal, sahen wir die Pinguine aus dem Wasser kommen und in so einer grossen Anzahl. Was ebenfalls ganz besonder war, dass dort am Strand die “little Penguins” zusammen mit den Shearwater nisten. Es kamen nicht nur die Pinguine zu ihren Nestern zurück sondern auch die Shearwaters. Was für ein Abend.

Ein weiteres Highlight auf Tasmanien war der Besuch des Tasmanien Devil Park. Dort konnten wir die Tiere hautnah sehen und zuschauen, wie sie gefüttert wurden. Für uns als Vogelliebhaber war die kleine Vogelschau ein echter Knüller. Ein “litte Corella” holte goldene Münzen (d.h. ein- und zwei-Dollar-Stücke) aus den Händen der Besucher. Er flog zu den Besuchern auf den Arm und nahm die Münze aus der Hand. Ich war die erste die mit der Münze in der Hand dastand. Die grosse Überraschung war aber, dass nach dem der Papagei viele Münzen der Besucher abgeholt hat, all die Münzen wieder zurück brachte. Es war eine einfache Show, die Besucher aber haben sie geliebt.

Oh, fast hät ich’s vergessen. Wir haben Cradle Valley gesehen, wie ein wilder Tasmanien Devil die Strasse überquerte. Was für ein seltener Zufall.

Januar 2009