Malawi zeichnet sich für uns durch seine überaus freundlichen Menschen, wunderschöne Landschaften, den Malawi See – drittgrösster See Afrikas – so gross wie ein Meer und die überall anzutreffenden Hilfswerke aus.

Als wir durchs Land fuhren winkten uns Gross und Klein fröhlich zu. Die Menschen hier sind zu recht stolz auf ihre Freundlich- und Gewaltlosigkeit. Malawi ist ein wunderschönes, herrliches Reiseland, hier entdeckten wir noch echtes Afrika! Obwohl es zu Beginn am malawischen Zoll nicht klar war, ob wir überhaupt in Malawi einreisen können….

Am malawischen Zoll wurden wir informiert, dass nur Henk ohne Visum nach Malawi einreisen kann. Holländer brauchen kein Visum, Schweizer schon – wahrscheinlich zahlen die Holländer viel an die malawische Entwicklungshilfe! Der Zollbeamte klärte uns auf, dass wir nach Sambia zurück fahren müssen, um dort in Lusaka für mich ein Visum zu beantragen. Lusaka liegt eine Tagesreise vom Zollamt weg, dazu hätten wir in Sambia wiederum für uns beide ein Visum für die Einreise kaufen müssen, was uns 100 USD gekostet hätte, eventuell wären auch noch einmal Gebühren fürs Auto angefallen.
Das Wichtigste in Afrika ist immer einen kühlen Kopf zu bewahren und freundlich zu bleiben. Also erklärten wir dem Zollbeamten freundlich, was dies an Kosten und Zeit für uns bedeuten würde, falls er uns tatsächlich nach Sambia wegen eines fehlenden Visums zurück weisen würde. Freundlich sein nützte dieses Mal gar nichts und Henk änderte seine Taktik und wurde richtig, ich meine so richtig, richtig wütend und erklärte dem Zollbeamten noch einmal unsere Lage und gab deutlich an, dass wenn er uns den Zutritt ins Land verweigert, wir direkt nach Mozambique gehen und nie in Malawi einreisen werden. Dies half einen Schritt weiter und wir konnten durch die Hintertür ins Zollbüro eintreten. Der Beamte informierte uns mehr als eine halbe Stunde über die neuen Änderungen (am Zoll sind keine Visa mehr erhältlich). Er meinte, dass ihm ohne Bewilligung seiner Vorgesetzten die Hände gebunden sind und er uns nicht weiter helfen kann. Die Diskussionen waren harzig und wir dachten, dass wir in einer Sackgasse gelandet sind, also standen wir auf und wollten gehen. Der Zollbeamte bat uns augenblicklich wieder Platz zu nehmen und begann mit seiner Geschichte wieder von vorne. Mensch, wir sind Europäer und keine Afrikaner, wir können nicht 100 Mal über das Selbe diskutieren ohne weiter zu kommen.
Im Nachhinein ist uns klar, dass wir ihn hätten bitten müssen, seine Vorgesetzten anzurufen. Damit wäre er mit uns ins Geschäft gekommen! Aber wir Europäer standen auf der langen Leitung und hatten keine Ahnung auf was er wartet. Nach langer Zeit bot er uns endlich selber an, seinen Chef anzurufen. Der war aber natürlich nicht zu erreichen und so liess er uns weiter schmoren. Nach ca. zwei Stunden und mehreren angeblichen Telefonanrufen mit seinen Vorgesetzen erklärte er uns, dass er unser Problem lösen könnte, indem er uns eine Art Empfehlungsschreiben mitgegeben würde und wir damit in Lilongwe auf dem Immigrationsbüro ein Visum für mich beziehen könnten. Wir waren aber noch immer nur beim “Könnte” und noch nicht beim “Können”. Nachdem wir ihm vorschlugen seine Bemühungen zu begleichen, ging es auf einmall schnell und wir bekamen ein Standartschreiben für das Immigrationsbüro!

Am nächsten Morgen erreichten wir nach einigem Suchen das Immigrationsbüro um 09.00. Gut Ding will Weile haben und um 12.00 hatten wir, nach einem sehr interessanten Morgen, schlussendlich mein ersehntes Visum für Malawi.

In Malawi wollte ich gerne Hermann treffen. Hermann arbeitet seit einigen Jahren, jeden Sommer für ein paar Wochen, in Projekten von World Relief mit. Hermann informierte uns, dass die Mitarbeiter von World Relief in Lilongwe uns mitteilen können, wo sein genauer Aufenthaltsort sein wird. So suchten wir das Office von World Relief in Lilongwe auf. Leider waren nur wenige Strassen angeschrieben und wir benötigten einige Zeit bis wir das Büro endlich fanden. Die Mitarbeiter waren dort bereits über unser baldiges Eintreffen informiert und wir wurden sehr freundlich empfangen. Mit ziemlich genauen Angaben besuchten wir Hermann am nächsten Tag in Salima. Da Hermann schon so oft in Malawi war, konnte er uns viel über Land und Menschen erzählen. So machte uns Hermann darauf aufmerksam, dass die Kinder am Strassenrand keine getrocknete Fischli am Spiess verkaufen – wie wir glaubten, sondern dass die Jungs gegrillte Mäuse anbieten, die sie auch gleich am Strassenrand auf kleinen Feuerchen grillen! Wir bekamen einen kleinen Einblick in die Projekte von World Relief, was wir natürlich sehr interessant fanden. Zu Dritt besuchten wir die Mua Mission, die 1902 von katholischen Missionaren gegründet wurde. Die Mission wurde durch die künstlerischen Ambitionen eines Paters zu einer kulturellen Begegnungsstätte und zeichnet sich durch ihre hervorragenden Holzschnitzereien aus. Für mich wirkte die Mission eher wie ein Dorf von ausgezeichneten Holzschnitzern, als eine katholische Mission. Die Kirche war sehr einfach geschmückt, aber äusserst eindrücklich, da der ganze Leidensweg von Jesus mit geschnitzten Holzbildern dargestellt ist.dsc02540.JPG Der Besuch war eine Bereicherung und wir fanden den Ausflug schön. Am Abend war es Zeit sich von Hermann zu verabschieden und wir freuen uns, wenn wir ihn dann in der Schweiz wieder treffen werden.

Als wir zum Campingplatz in Senga Bay zurück kehrten trafen wir Sylvie und Thomas wieder. Sylvie und Thomas sind ebenfalls aus dem Zürcher Oberland und sie sind ebenso lang unterwegs wie wir, vor Afrika bereisten sie Asien. Wir haben uns über das Wiedersehen sehr gefreut. Mit ihnen zusammen verbrachten wir noch zwei Tage in Senga Bay bis uns der starke Wind wortwörlich weg blies und wir weiter reisten.

Der Malawi See ist so schön und eindrücklich, dass wir an drei verschiedenen Orten campierten. Bei jedem Ort sagten wir, dass es noch schöner war, als am letzten Ort. Zu jeder Lodge, wo wir campierten, gab es ein Dorf und so bekamen wir regelmässig Besuch von Curio-Verkäufern, Fischern, kleinen süssen Kindern, usw.dsc06039.JPG Bei Palm Beach war die Lodge sozusagen vom Dorf umgeben, so dass die Fischer, Frauen und Kinder den ganzen Tag an uns vorbei liefen. Es war für uns, aber auch für die Dörflinge, höchst interessant und so beobachteten wir uns gegenseitig mit viel Neugierde und Spass. dsc06112.JPGÜber den Strand liefen Geissen, Schafe und Kühe, was es für uns den Aufenthalt noch viel abwechslungsreicher machte. Als ich abends anfing meine Turnübungen zu machen, waren die neugierigen Frauen kaum mehr weg zu bringen und ich brach meine Übungen frühzeitig ab, denn es war mir doch sehr unangenehm, von lachenden Frauen beobachtet zu werden.

Als wir nach Blantyre fuhren, begegneten wir einer Kolonne (zu) schnell fahrender, teurer Autos. Beim ersten Auto das uns begegnete heulten die Sirenen und so glaubten wir, dass es die Polizei war. In der Mitte dieser Auto-Kolonne war ein schwarzer teurer Mercedes, der durch zwei überholende Autos abgeschirmt und wir somit von der Strasse abgedrängt wurden. Der Fahrer vom letzten Auto zeigte uns dann den “Mei-Mei-Finger” und gab uns somit an, dass wir am Strassenrand hätten anhalten müssen. Es ging alles sehr schnell und als uns die Kolonne passiert hatte, realisierten wir, dass wir dem Mr. Präsident von Malawi begegnet sind. Leider stand in keinem Reisebuch, wie man sich auf der Strasse korrekt verhält, wenn einem der Präsident begegnet.

In Blantyre brachten wir unsere Website wieder auf den neuesten Stand und erledigten alles was nötig war und deckten uns mit viel frischem Gemüse ein, dass wir auf dem Markt kauften. Uns hat die Stadt recht gut gefallen, da so viel los war. Die afrikanischen Städte sind in der Regel nach unseren Massstäben nicht schön, aber höchst interessant. Auf dem Weg zum Markt liefen wir an vielen Schneidern vorbei, die ihre Arbeit am Strassenrand anboten. Die Schneider (meistens Männer) hatten alle Nähmaschinen, die mit einem Fussrad angetrieben wurden. Die an uns vorbei fahrenden Minibusse hatten oft vorne und auf der Seite vom Auto frischen Fisch oder Hühner angebunden. Am Markt angekommen, wurden wir sofort von kleinen Jungs umringt, die wir glaubten, Plastiksäcke für die Einkäufe verkaufen wollten. Diese Jungs verdienten ihr Geld aber, indem sie die Einkäufe der Kunden gegen ein Trinkgeld durch den gesamten Markt bis zum Auto trugen.

Seit über zwei Wochen plagte mich stetiges ziehen und drücken im Bauch. Ich hatte keine grossen Schmerzen, es war aber doch unangenehm und wir hatten keine Ahnung, was denn jetzt schon wieder ist, da ich erst eine langwierige Erkältung auskuriert hatte. Ich vermutete, dass es durch die Malariaprophylaxe verursacht wurde. Der Beilagezettel bestärkte meine Vermutungen. Eigentlich wollten wir weiter nach Mozambique fahren, aber da die ärztliche Versorgung in Mozambique nicht gut ist, verschoben wir unsere Abreise um ein paar Tage und fuhren ein viertes Mal an den Malawi See. Hier stoppte ich mit der Malarieprophylaxe und siehe da, meine Bauchschmerzen verschwanden. Es ist gut zu wissen, dass das Bauchweh von der Malariaprophylaxe kommt und keine anderen Ursachen hat. Wir werden nun nach Mozambique gehen und ich werden die Tabletten wieder einnehmen, da in Mozambique immer ein Malariarisiko besteht. Wir werden sehen, wie es mir gehen wird und nötigenfalls unsere Reise durch Mozambique abkürzen.

Es ist erstaunlich zu sehen, wie viele Hilfswerke und Organisationen in Malawi tätig sind. Wir haben hier mehrere Volontäre getroffen sowie diverse Leute, die an einer Studie arbeiten. Wir denken, dass Malawi ein sehr gutes Land für Entwicklungshilfe ist, da die Bevölkerung sehr freundlich, dankbar, aber auch sehr arm ist. Dazu kommt, dass die politische Lage hier sehr sicher ist. Eigentlich bin ich ja ein Befürworter der Entwicklungshilfe, wenn mich aber Henk fragt, wo denn all die Entwicklungshilfe, die in den letzten Jahrzehnten eingebracht wurde, geblieben ist, tja, dann fehlen mir die Antworten, denn ersichtlich ist es nicht wirklich…

August 2009