Nach Cairns zu fahren war eine richtig schöne Ueberraschung. Von
einem Moment auf den anderen war es grün und anstatt Buschland sahen
wir richtig schönen Regenwald. Es war, als wären wir in ein anderes
Land gereist.
Die Luftfeuchtigkeit hier ist höher, es gibt mehr Bewölkung
und es ist herrlich warm, manchmal sehr warm oder gar zu heiss.
Nach der Ankunft in Cairns nutzten wir die Tage um zu waschen, flicken,
und vieles mehr. Da wir keinen Tropfen Wasser aus unserem
Wasserhahnen mehr bekamen, studierte Henk einen Tag lang unser Wassersystem.
Am zweiten Tag schraubte er am ganzen Filter- und Pumpsystem herum und
fand nach harter Arbeit die Ursache: beide Filter (Vor- und Haupt-
filter) mussten wir bereits nach 5 monatigen Einsatz ersetzen,
da diese mit Feinstaub völlig vorstopft waren. Zudem mussten
beide Wassertanks gründlich gereinigt werden.
Die Wassertanks abzumontieren war für Henk ein Krampf und wir
waren glücklich, dass wir wieder einmal tatkräftig Hilfe erhielten. Dank
Greg brachte Henk die Wassercontainer aus der Halterung raus und wir reinigten
die zwei Tanks ganz penibel. Die Halterung der Wassercontainer war aufgrund des vielen
Gerüttel und Geschüttel etwas verbogen und Henk musste die Halterung etwas
zurecht biegen, damit wir die Container wieder gut einsetzen konnten.
Mit fliessendem Wasser fuhren wir dann Richtung Cape York. Zu diesem
Zeitpunkt hatten wir bereits entschieden, dass wir nicht ganz bis
zum Cape fahren werden, sondern nur so weit, bis wir den Palm Cockatoo
sehen werden. Dies hatten wir entschieden, weil wir schlicht keine
Lust hatten, hunderte von Kilometern auf sehr schlechten Off-Road-
Strassen zu fahren, wo es so laut ist, dass man nicht mal mehr
sein eigenes Denken hört.
Wir fuhren als erstes zur Mossman Gorge, wo wir zum ersten Mal
eine Regenwald-Wanderung machten und auch unseren ersten Brush
Turkey sahen. Ein herrliches Erlebnis, zum ersten Mal, richtigen
Regenwald zum Greifen nah zu sehen. Danach ging es in den Daintree NP.
Noch nie haben wir so steile Strassen (25 %) befahren. Es ging extrem
steil hoch und genau so steil wieder runter. Zum Glück waren die
nicht asphaltierten Strassen trocken. Nach einer spannenden Fahrt
kamen wir zum Daintree Discovery Center. Der Eintritt pro Person
ist sehr hoch und so wägten wir zuerst ab, ob uns der Besuch dieses
Geld wert ist. Das Daintree Discovery Center ist kein Zoo,
sondern bietet die Möglichkeit, die Natur von einem Boardwalk aus zu
beobachten und in unterschiedlichen Höhen zu durchlaufen (vom Boden bis
zu den Baumwipfeln). Dazu liefern sie natürlich haufenweise Informationen.
Gut sind wir gegangen, denn dort haben wir unerwartet und hautnah
den seltenen Cassowary entdeckt.
Ein unglaublich riesiger Vogel und auch aggressiv. Wenn Henk mich nicht gewarnt hätte, wäre ich wahrscheinlich
noch in ihn herein gelaufen. Der Cassowary ist so gross, dass er mir
direkt in die Augen hätte schauen können. Bin mir nicht sicher, ob
er dies geschätzt hätte. Henk stand schlussendlich ca. zwei, drei
Meter von ihm entfernt, um ihn zu fotografieren. Ich hatte Angst und
habe mich verkrümelt. Das war ein tolles und unerwartetes Erlebnis und
wir haben uns totalgefreut. Danach ging es nach Cape Tribulation,
wo wir an einem sündhaft teuren Campingplatz mit wenig Komfort übernachteten.
Am nächsten Tag besuchten wir die Wasserfälle bei Wujal, Wujal. Aus
einem Reflex raus, teilte ich Henk mit, dass ich nicht ohne feste
Schuhe zu den Wasserfällen laufen werde. Beide trugen wir Sandalen.
Henk schaute mich verblüfft an und erkundete kurz das Gelände und
meinte, es sei kein Problem, um mit Sandalen zu den Wasserfällen
zu laufen. Nach ca. 5 Min. laufen schreckte ich eine Schlange auf.
Die Schlange ist sicher einen Meter hoch aufgestanden und züngelte
mit ihrer Zunge (Schlangen riechen mit ihrer Zunge) zu mir. Nachdem
sie feststellte, dass ich mit Bestimmtheit keine Riesenratte bin und
für sie keine Gefahr darstelle, ging sie weiter und liess mich mit
einem riesen Schreck zurück. Die Wasserfälle konnte ich nicht mehr so
wirklich geniessen. Danach habe ich zum laufen immer schön feste Schuhe
angezogen.
Am Abend campierten wir wieder einmal mehr auf einer Station (Farm),
Home Rule in Rossville. Wir lieben es auf Stations zu übernachten,
denn dies sind kleine und familiäre Campingplätze mit viel Natur und
Wildlife. Am Tag unserer Ankunft war morgens ein Cassowary mit zwei Chicks
auf dem Campingplatz und so hofften wir, dass er wieder kommt. Leider sahen
wir ihn (das Männchen ist für den Nachwuchs verantwortlich) nicht. Wir
verbrachten am Abend einige Zeit am Fluss und spähten nach Platypussen, die
dort im Fluss leben. Nein, leider hatten wir auch damit kein Glück und wir haben
bis heute noch keinen gesehen. Am Abend wurden wir von australischen
Nomaden an ihr Campfeuer eingeladen und genossen einen kurzweiligen
Abend. Bevor wir weiter reisten, wollten wir noch die Wasserfälle
sehen, die zur Station gehören. Der Weg war viel anstrengender
als wir dachten und wir kamen total verschwitzt an. Eigentlich ist
es gar kein Wanderweg, sondern nur ein Pfad neben ca. 3 km Wasserleitungen,
die zu den Fällen führen. Mit diesem Wasser produziert die Station eigenen
Strom. Kurz vor dem Ziel kreuzte schon wieder eine Schlange neben mir auf, was
ich gar nicht schätzte. Diese war wenigstens nicht aggressiv und
versteckte sich sofort.
Am Nachmittag erreichten wir dann Cooktown und gingen zuerst
ins Informationscenter das beim Botanischen Garten liegt. Beide
gehen wir gerne in Botanische Gärten, denn dort gibt es meistens
viele Tiere zu sehen und wir wurden nicht enttäuscht. Ueberall
gab es Wallabies zu sehen. Diese dort sind Menschen gewöhnt und ich
konnte bis zu einem Meter an sie heran laufen. Das war schön. Cooktown
ist eine wunderschöne kleine Stadt am Meer, einfach bezaubernd.
Die Nacht verbrachten wir auf einer Station nahe bei Cooktown,
die Pferde züchtete. Am Abend beim Duschen kroch eine riesen,
riesen Spinne auf der Wand raus, was mich dazu motivierte,
umgehend mit dem Duschen aufzuhören. Leider campierten auch
die Mücken mit uns. Am nächsten Morgen erspähte ich schon wieder
eine Schlange. Diese war klein, aber wo Kleine sind, sind auch
Grosse, oder?