Wenn der Schaden uns vor grösserem Schaden bewahrt!
Oh, wie haben wir uns gefreut, dass wir noch ein zweites Mal in den Central Kalahari NP fahren werden.
Das erste Mal waren wir im Juni (Winter) da und wir freuten uns so sehr, den Park noch einmal in einer anderen Jahreszeit (Frühling) weiter zu entdecken. Wird die Kalahari-Landschaft anders aussehen als im Winter oder nicht, oder ist der Unterschied der Jahreszeiten in der Wüste zu minimal, um zu sehen, werden wir andere Tiere antreffen?
In Ghanzi deckten wir uns mit Lebensmittel, Diesel und frischem Wasser ein und verbrachten auf einer Game-Farm, mit Wasserloch beim Camping, zwei herrliche Tage. Das Wasserloch wurde regelmässig von Wasserböcken, den scheuen Elands, Zebras, Gnus und Giraffen besucht.
Am nächsten Tag ging es los und beide trugen wir vor lauter Vorfreude ein “big smile” im Gesicht. Wir wurden vorgewarnt, dass wir aufgrund des Tiefsandes für die 190 km zum Park rund 6-7 Stunden Fahrtzeit benötigen werden. Die ersten 100 km führten über eine Schotterpiste und wir meisterten diese Strecke in etwas mehr als einer Stunde, bis wir die Schotterpiste verlassen mussten. Danach krochen wir mit 25 km/h durch den Tiefsand. Nach fast drei Stunden fahren, für rund 60 km, erreichten wir die Parkgrenze und rechneten noch mit einer weiteren Stunde bis zum Parkeingangstor, wo sich das Parkbüro befindet. Ich war so froh, dass die lange Fahrt nun bald ein Ende haben würde, denn es war unglaublich heiss, richtig drückend und beide waren wir total verschwitzt. Einen Kilometer nach der Parkgrenze riss uns unerwartet eine Warnhupe mit aufleuchtender Warnlampe aus unserer Lethargie. Oh Gott, oh Gott, was ist den jetzt? Henk stellte sofort den Motor ab und wir schauten uns ratlos an. Die Warnlampe betraf die hintere Differenzialsperre, welche wir bis anhin noch nie benutzt hatten. Henk stieg aus dem Auto aus, damit er unter das Auto schauen konnte. Kaum verschwand er hinter dem Auto, hörte ich ihn rufen, dass wir einen von unseren Frischwassertanks verloren hätten. “Hähhh”? Henk war schon unter dem Auto, als ich Richtung verlorenen Wassertank lief, der ca. 50 m hinter uns auf der Sandstrasse lag. Auf halbem Weg kehrte ich zielbewusst zu Idefix zurück, da ich es keine gute Idee mehr fand, alleine durch Löwenland zu laufen. Dies klingt jetzt vielleicht ein bisschen übertrieben, aber wir hatten in den letzten Monaten viele, viele Löwen gesehen und das Risiko war schlicht und einfach da, dass ein Löwe plötzlich aufkreuzen würde. Nachdem Henk den Schaden unter dem Auto begutachtet hatte, liefen wir zu zweit zum verlorenen Wassertank, um ihn zum Auto zurück zu tragen. Henk erklärte mir in der Zwischenzeit, dass das Gehäuse, das unsere beiden Frischwassertanks trug, in der Mitte gebrochen war und dass er den zweiten Wassertank ebenfalls abmontieren wird.
Ui, ui, da hockten wir mitten in der Wüste im Niemands- oder besser gesagt im Löwenland, 25 km vom Einganstor des Parkes entfernt, kein anderes Auto hat uns auf dem Weg in den Park passiert, Probleme mit unserem Trinkwasser sowie einer aufleuchtenden Warnlampe mit Warnhupe und als wäre dies noch nicht genug, zogen auch noch Regenwolken auf.
Während dem Henk unter dem Auto den zweiten Wassertank abmontierte, patrouillierte ich in der Hitze ums Auto herum und hielt Ausschau nach Löwen. Henk bekam den Wassertank nicht ab, da er mit 60l Wasser zu schwer war. Einfach ablassen konnten wir das Wasser nicht, denn wir wussten ja nicht, wie lange wir alleine in der Wüste ausharren mussten und somit war das Trinkwasser zu kostbar. Mit einem Ansaugschlauch konnten wir das Wasser schlussendlich in unseren 10 L Wassersack umfüllen, um diesen dann immer wieder in den bereits geretten Wassertank umzuleeren. Am Schluss hatten wir rund 50 l Trinkwasser gerettet und der zweite Tank war nun auch abmontiert. Was hatten die Wassertanks mit der Differenzialsperre zu tun? Wurde ein Kabel verletzt oder die Differzialsperre irgendwie eingelegt? Wir bewegten die Schaltung der Differenzialsperre ein und aus und konnten doch keinen Unterschied feststellen. Bei der weiteren Inspektion unter dem Auto entdeckte Henk zudem dass ein Bolzen der Blattfeder gebrochen ist. Mann, oh Mann, oh Mann, dass wird immer Besser! In der Zwischenzeit hatte es so richtig angefangen zu regnen und wir flüchteten ins Auto. Nein, nein, Regen war nicht genug, so kam nach dem Regen auch noch der Hagel. Wir waren in der Wüste gestrandet, es regnete, hagelte und später zeigte sich auch noch ein Regenbogen. Nach langem Beraten und wenig Erfahrung mit Differenzialsperre kamen wir zum Schluss, dass ein Kabel beschädigt sein muss und wir wieder zurück nach Ghanzi fahren werden, aber nicht mit dieser eingeschalteten Warnhupe, ansonsten würden wir Ghanzi mit einem Gehörschaden erreichen. Nach einigem Suchen konnten wir die Warnhupe unterbrechen und fuhren langsam und ganz vorsichtig auf sandiger Strasse mit einer defekten Blattfeder nach Ghanzi zurück. Um Mitternacht erreichten wir erleichtert Ghanzi.
Eine Garage vor Ort konnte den gebrochenen Bolzen der Blattfeder ersetzen und Henk funktionierte unseren Abwassertank zum Frischwassertank um, sodass wir immerhin noch 30 Liter Trinkwasser im Auto für die weitere Reise haben.
Leider war der Alluminiumrahmen für die zwei 60 Litertanks zu schwach und brach in der Mitte in zwei. Die Idee des Innenausbauers war gut, funktioniert aber auf Dauer nicht und wir mussten unsere Wassertanks in Ghanzi zurück lassen. Der weit grössere Schaden hätte aber durch den gebrochenen Bolzen in der Blattfeder verursacht werden können. Die Alarmhupe der Differenzialsperre wurde durch ein defektes Kabel verursacht und konnte leicht durch Henk repariert werden.
Leider haben wir nur die Parkgrenze erreicht und konnten den Nationalpark nicht wie geplant weiter entdecken. Definitiv ist, 200 km in der Wüste abschleppen, hätte uns ein Vermögen gekostet. Wir sind so froh über unsere treuen Schutzengel!