Emu oder Huhn (Autor: Idefix)
Am anderen Ende der Erde, im grossen flachen Land, lebten zwei Familien.
Beide Sippen lebten je an einer Seite einer grossen Schlucht, worin ein Fluss mäanderte. Diese Schlucht lag etwa
in der Mitte dieses riesigen Landes, wo es fast immer sehr trocken und heiss war. Dort leuchtete bei Sonnenauf- und untergang die Erde rot auf und in der Nähe lag ein sehr besonderer Ort, wo sich ein enorm grosser Stein aus der Erde reckte. Dort waren die zwei Familien zu finden, die Billabongs und die Sandflies.
Die Billabongs und die Sandflies lebten von dem, was ihnen das Land zum Essen schenkte und waren bis dahin zufrieden mit dem was sie hatten.
Da beide Gruppen ziemlich nah beim Fluss zusammen lebten, kam es manchmal vor, dass die Männer beider Familien das gleiche Tier jagten. Es konnte nur immer eine Familie gewinnen und die Beute wurde nie unter den zwei Sippen geteilt. Das ging so bis zu dem Tag, an dem alles anders wurde und es in diese Gegend einen unbekannten Vogel verschlug, welcher gackernd auf dem Boden nach Körner suchte, mehr schlecht als recht fliegen konnte und, kaum zu glauben, täglich ein leckeres Ei legte. Die Billabongs und die Sandflies liebten Eier und so heckten beide Familien den Plan aus, dass sie dieses unbekannte Tier einfangen wollten, um so täglich zu einem Ei zu kommen.
Die Billabongs und die Sandflies sandten beide ihren ältesten Sohn aus, um die Beute einzufangen. So lauerten beide Jungs, zufälligerweise am gleichen Abend, hinter einem weissen Baum am Fluss, der wegen der Trockenzeit ein kleiner Bach war, und warteten dort auf dieses seltsame Vogeltier. Als dieser eierlegende Vogel kam, sprangen beide Söhne hinter ihrem Baum hervor und packten das Tier. Ein Junge erwischte den Vogel am Kopf und der andere hielt ihn an den Beinen. So zogen die beiden an diesem armen Vogel wie verrückt und liessen nicht los, denn für beide Familien stand doch ein tägliches Ei auf dem Spiel. Je länger die Jungs zogen, um so länger wurden die Beine und der Hals dieses Vogels. Nach langem zähem Ringen um diesen Vogel, waren beide Söhne so entkräftet, dass sich der Vogel losriss. Da der Vogel durch das lange Zerren imens lange Beine bekam, rannte er so schnell davon, dass die Jungs nur noch Staub sahen.
Und so wurde aus einem Huhn ein Emu.
Nach der Geburtsstunde des Emus, jagten fortan die beiden Familien zusammen, bekamen aber in ihrem Leben nie mehr
ein Huhn zu Gesicht.